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Skurrile Produkte: Armbanduhren aus Weltraumschrott

Ein Schweizer fertigt Armbanduhren. So weit so gut. Das tue jeder Schweizer irgendwan in seinem Leben mal, könnte man denken, und die Geschichte wäre zuende. Diese Geschichte fängt aber erst an. Patrick Homann ist der Gründer von Werenbach. Mit seiner ungewöhnlichen Uhrenmarke stellt er Armbanduhren aus Weltraumschrott her. Dafür verwendet er alte Leonov-Raketen und Sojus-Kapseln, die in den Jahren 2016 und 2017 im All waren. Doch nicht nur die Uhren gibt es zu kaufen. Homann hat außerdem einen Roman geschrieben, in dem er seine Geschäftsidee inklusive der Reise zum russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan beschreibt.

Die „Spaceborn“-Uhren gehören zu den vermutlich wertvollsten Recycling-Produkten der Welt. Jede Uhr ist ein absolutes Unikat. Die Sojus-Kollektion wird in Zürich in Kleinstserien hergestellt. Jedes Gehäuse wird aus einem eingeschmolzenen Raketenmotor gefertigt. Die Ziffernblätter der Leonov-Kollektion werden direkt aus der Außenhaut geschnitten und von einem internationalen Uhrenfabrikanten hergestellt. Beide Rohstoffe werden in aufwändigen Verfahren für die Uhrenherstellung aufbereitet. Von knapp unter 1.100 bis fast 1.800 Euro reichen die Preise einer Werenbach-Uhr. Spezialanfertigungen können auch mal bei über 7.800 Euro liegen.

Weltraumhistorie fürs Handgelenk

Teil der Ideologie des Uhrenherstellers ist das Lebensgefühl der Astronauten, wenn diese das erste Mal an den Rand des Weltalls reisen und dessen Grenzenlosigkeit erkennen. Die Raketenteile lassen sich bei der Bergung eindeutig den einzelnen Missionen zuordnen, ebenso wie der jeweiligen Raketenstufe der Mission. Werenbach bietet damit ein Stück Weltraumgeschichte fürs Handgelenk. Um den Stahl der Dampfturbinen der Sojus-Raketen verarbeitbar und rostfrei zu machen, verwendet Werenbach einen komplexen metallurgischen Schmelzprozess im Vakuuminduktionsofen, an dessen Ende eine Legierung steht, die zu 96% aus echtem Raketenstahl besteht.

Beinahe noch spannender ist die Leonov-Kollektion, denn die Ziffernblätter bestehen aus unbehandelter Außenhaut der Raketen. Diese werden von Hand ausgeschnitten, aufbereitet und selektiert. Jedes Ziffernblatt hat eigene Gebruachsspuren, die vom Flug der Rakete ins All und dem Absturz in der kasachischen Wüste stammen. Bis zu 85 Kilometer hoch fliegen die Raketen, bevor als zweite Raketenstufe die Windschutzverkleidung abgesprengt wird. Einige Institutionen wie die US Air Force definieren alles höher als 80 Kilometer als Weltraum.

Das Buch zur Gründung  „Werenbachs Uhr“

Es war 2010 als dem Firmengründer Patrick Hohmann beim Joggen die Idee kam, Uhren aus Weltraumschrott herzustellen. Dreieinhalb Jahre dauerte es, bis die erste Kosmonauten-Uhr zu ticken begann. Hohmann musste sich um die Materialbeschaffung aus Kasachstan kümmern, den Import und die Fertigung regeln. Da das nicht immer reibungslos verlief sondern es auch Rückschläge gab, begann er seine Geschichte in dem 2015 erschienenen Roman „Werenbachs Uhr“ aufzuarbeiten. Der finale Durchbruch erfolgte 2017 mit einer Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter.

Das Buch ist für 24,80 Euro bei Amazon erhältlich. Die Uhren kann man über den Onlineshop auf werenbach.ch bestellen.

Bildquelle Titelbild: Die Bilder der Uhren sind dem Sortiment auf werenbach.ch entnommen

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