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IKEA Katalog: Hellmuth Karasek rezensiert das Buch der Bücher

Der großartige und einzigartige Hellmuth Karasek wagt sich in diesen Video an einen der Bestseller der Weltliteratur. Mit einer Auflage von rund 220 Millionen Exemplaren jährlich ist der IKEA Katalog wohl eines der meistgelesenen Bücher der Weltgeschichte. Die Bibel bringt es nur auf halb so viele Druckexemplare. Der seit 1951 jährlich herausgegebene Prospekt gilt als wichtigstes Marketing-Tool des Konzerns und verschlingt seit 2004 rund 70 Prozent des Werbebudgets.

Der Journalist, Autor, Film- und Buchkritiker Professor Hellmuth Karasek, den älteren noch aus dem Literarischen Quartett mit Marcel Reich Ranicki bekannt, den jüngeren als kluger Kopf, der so manchen Quizshow-abend bereicherte, nimmt sich erstmals einer Rezension des über 300 Seiten umfassenden Werkes an. Ein Geniestreich für IKEA und ein Plädoyer für die Literatur.

Eigentlich ist es fast ein Skandal, dass dieses so verbreitete Buch bisher nicht ausführlich besprochen wurde, findet Karasek. Der Titel der Jahrespublikation lautet „Die kleinen Freuden des Alltags“, ganz klar ein Buch, in dem wir uns wohlfühlen sollen, weil es uns in eine gute Stimmung versetzen möchte. Kritisch könnte man anmerken, so der Literaturprofessor, dass es mehr Bilder als Personen habe und zwar viel erzählt, aber mit Gegenständen vollgemüllt ist.

Der IKEA Katalog ist seiner Auffassung nach ein möblierter Roman. De Personen müssen sich zwischen die Möbel drängeln, sie kommen selten zu Wort und reden kaum zusammenhängend. Dennoch hat das Buch einen großen Erfolg. Karasek mag allerdings keine Bücher, die sich altmodisch mit einem „Du“ dem Leser aufdrängen und ihm sagen wie er zu leben oder zu schlafen hat. Die beschreibung des Schlafzimmers ist ihm zu idyllisch und kuschelig. Er würde gerne nicht so aufwachen wie es in dem Test beschrieben ist, sondern ohne Buch weiter dösen.

Wenn es ein schöngeistiger Roman wäre, würde dem Buch „alles“ fehlen, so Karasek. Aber diese Betrachtung sei vielleicht auch etwas ungerecht. Ihm fällt zu der Frage, ob man das buch lesen solle vor allem ein Zitat von Goethe ein:

Eines schickt sich nicht für alle.
Sehe jeder, wie er’s treibe,
sehe jeder, wo er bleibe,
und wer steht, daß er nicht falle!

 

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